Jahreskonferenz 2025 „Organizations and Institutions in Times of War: Ukraine, Eastern Europe and Beyond”
Wie verändern sich Organisationen und Institutionen in Kriegszeiten? Welche Rolle spielen staatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Akteure während und nach gewaltsamen Konflikten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer Jahreskonferenz 2025 vom 9. bis 11. Oktober 2025 an der Universität Regensburg.
Forschende aus zwölf Ländern – darunter Deutschland, Ukraine, Estland, Polen, Kanada, Kirgisistan, Armenien, Großbritannien, Frankreich, Italien, USA und Kosovo – tauschten ihre Perspektiven und Forschungsergebnisse aus.
Im Laufe der dreitägigen Konferenz referierten mehr als 45 Referierende zu Themen wie dem Wandel von Demokratie und Regierungsführung während des Krieges, der Rolle von Religion, Bildung und Wissenschaft in Krisenzeiten, der Anpassung rechtlicher und wirtschaftlicher Institutionen sowie der Frage, wie Medien, Wissensproduktion und Regierungen Gesellschaften unter extremen Bedingungen prägen.
Die Keynote-Vorträge von Klaus Meyer (Ivey Business School, Kanada), Wilfried Jilge (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Deutschland) und Amelia Glaser (Universität San Diego, USA) wurden zu Höhepunkten der Konferenz.
Über die formellen Diskussionen hinaus bot die Veranstaltung auch einen wichtigen Rahmen für Networking und den Aufbau neuer Kontakte zwischen Teilnehmenden aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Das vollständige Programm der Konferenz finden Sie hier.
Wichtige thematische Take-Aways
Die Konferenz befasste sich mit den vielfältigen Veränderungen, die durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden. Die Teilnehmenden reflektierten über dessen disruptiven Charakter und die tiefgreifenden ethischen Dilemmata, die er für Einzelpersonen, Institutionen und internationale Partner mit sich bringt. Trotz dieser Herausforderungen betonten zahlreiche Redner Zeichen der Hoffnung – die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Gesellschaft und Wirtschaft sowie innovative unternehmerische und zivilgesellschaftliche Initiativen, die auch unter schwierigen Umständen weiterhin entstehen.
Die Diskussionen befassten sich mit wichtigen Fragen der Politik, wie der Umsetzung von Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung, der Entwicklung der digitalen Demokratie und der dringenden Notwendigkeit, das Vertrauen in der Gesellschaft und zwischen ihren Mitgliedern zu stärken, insbesondere im geschäftlichen Kontext. Die Rolle externer Akteure wurde als wichtig und mehrdeutig beschrieben: Internationale Unterstützung ist für die Ukraine zwar nach wie vor von entscheidender Bedeutung, wirft aber auch Dilemmata auf – wie beispielsweise die Abwanderung ukrainischer Forschender und Fachkräfte, die im Ausland Karriere machen.
Weitere Beiträge konzentrierten sich auf den Wandel des religiösen Lebens, die Entwicklung ukrainischer Kultur- und NGO-Aktivitäten im Ausland und die sich wandelnde Haltung gegenüber ukrainischen Flüchtlingen und Migranten. Die Teilnehmenden betonten, dass die Ukraine-Studien im Ausland nach wie vor unterentwickelt sind und sich ein Großteil der akademischen Forschung weiterhin auf Russland konzentriert, was auf einen dringenden Bedarf an intellektueller und institutioneller Emanzipation hinweist.
Die Konferenz endete mit einem Aufruf zu mehr Engagement und Resilienz auf institutioneller Ebene, um sicherzustellen, dass die Fortschritte der Ukraine sowohl nachhaltig als auch inklusiv sind.
Wir danken unseren Teilnehmenden für ihre interessanten Beiträge während der Jahreskonferenz 2025 und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit!
Die Jahreskonferenz 2025 „Organizations and Institutions in Times of War: Ukraine, Eastern Europe and Beyond“ wurde von Prof. Dr. Thomas Steger (Universität Regensburg, „Denkraum Ukraine“) und Dr. Oleksandr Zabirko (Universität Regensburg, „Denkraum Ukraine“), den Leitern des Themenfelds Regionale Vielfalt: Industrie- und Grenzregionen im Vergleich am Zentrum für interdisziplinäre Ukraine-Studien „Denkraum Ukraine“ an der Universität Regensburg, gefördert vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA).