Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen Zum Seitenfooter springen

Medien unter Druck: Ukrainische und russische Journalist:innen geben Einblicke in ihre Arbeit

| News

Wie verändert Russlands Krieg gegen die Ukraine den Journalismus? Wie berichten ukrainische Journalist:innen unter Beschuss? Welche Folgen haben staatliche Repressionen und das Exil für russische Journalisten? Im Rahmen der Diskussionsreihe „Journalists at Risk“ in Regensburg beleuchteten Medienschaffende aus der Ukraine und Russland die Auswirkungen von Krieg, Zensur und politischem Druck auf ihre Arbeit.

Die Diskussion “Journalists at Risk – Turning Points: Ukraine” mit Serhij Shturkhetskyy, Milan Lelich und Olena Babakova unter der Moderation von Jędrzej Morawiecki (Universität Breslau) eröffnete die Reihe am 23. Juni im Evangelischen Bildungswerk Regensburg.

Die Teilnehmenden stellten fest, dass viele ukrainische Journalist:innen seit der russischen Vollinvasion gegen die Ukraine 2022 ihre Heimat verlassen mussten. Vom Ausland aus wenden sie sich nun an die stark angewachsene ukrainische Diaspora oder berichten als internationale Korrespondent:innen für ihre Medienhäuser in der Ukraine.

Den Referent:innen zufolge hält der ukrainische Journalismus trotz des Kriegszustands, der mangelnden Finanzierung nationaler Medien und der Sorge vor möglichem politischen Druck an seinen Standards fest. Auch wenn es in der Ukraine während des Krieges keine staatliche Zensur gibt, hat die anhaltende russische Aggression bei ukrainischen Medienschaffenden dennoch zu einem gewissen Maß an Selbstzensur im Hinblick auf militärische Operationen und sensible Sicherheitsfragen geführt. 

Die Redner:innen sprachen über den Wandel der ukrainischen Medienlandschaft: Das System der von Oligarchen kontrollierten Medien verliert allmählich an Bedeutung, während YouTube weiterhin die wichtigste Plattform für öffentliche Diskussionen bleibt.

Auch die Berichterstattung internationaler Medien über die Ukraine hat sich seit 2022 gewandelt: Viele internationale Medienhäuser haben ihre Berichterstattung ausgebaut, Korrespondent:innen ins Land entsandt und Strukturen für eine tiefgründigere Berichterstattung geschaffen.

Mehr über die Veranstaltung und die Arbeit ukrainischer Journalist:innen erfahren Sie in einem Artikel der Mittelbayerischen Zeitung (Paywall).

Die zweite Veranstaltung der Reihe „Journalists at Risk – Turning Points: Russia” brachte die russischen Journalisten Leonid Ragozin und Vladimir Shvedov zusammen, die derzeit im Exil arbeiten und sich offen gegen die russische Aggression in der Ukraine aussprechen. Die Diskussion fand am 25. Juni 2026 in Regensburg statt und wurde ebenfalls von Jędrzej Morawiecki moderiert.

Die Referenten betonten, dass unabhängige Medien in Russland aufgrund massiver staatlicher Repressionen praktisch nicht mehr existieren, während die wenigen unabhängigen Journalist:innen im Land einem erheblichen Risiko staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Zerstörung der unabhängigen russischen Medienlandschaft ein schleichender Prozess war, der sich Anfang der 2000er Jahre verstärkte und durch eine Reihe von Schlüsselereignissen an Dynamik gewann – darunter die Übernahme des Senders NTV, die Proteste auf dem Bolotnaja-Platz 2012, die Vergiftung von Alexei Nawalny im Jahr 2020 sowie der Beginn der großangelegten russischen Invasion gegen die Ukraine im Jahr 2022.

Angesichts der zunehmenden Internetblockierungen in Russland können viele dort lebende Menschen nicht mehr auf ausländische Online-Medien zugreifen. Infolgedessen schrumpft die Reichweite unabhängiger russischer Medien, die aus dem Exil heraus arbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Russen im Ausland zunehmend weniger für die politischen Belange ihrer Heimat interessieren.

Wir möchten unseren Referent:innen und dem Moderator Jędrzej Morawiecki für ihre wertvollen Einblicke in die Herausforderungen danken, denen sich der ukrainische und der russische Journalismus gegenübersehen – beide stehen unter Druck, wenngleich auf unterschiedliche Weise. Zudem danken wir dem Publikum für ihre Beteiligung an den Diskussionen trotz der extremen Hitzewelle.

Die Diskussionsreihe „Journalists at Risk“ wurde vom „Denkraum Ukraine“ / „Think Space Ukraine“ an der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Regensburg e. V. und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) organisiert. Die Veranstaltungen wurden vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) gefördert.